Auch wenn es bei der Bundestagswahl in der Region gelang, das Direktmandat wieder mit großem Abstand zu gewinnen, so ist das Gesamtergebnis für die Unionsparteiparteien ein historisches Debakel. Gerade einmal 24,1 Prozent der Wählerinnen und Wähler schenkten bei der Bundestagswahl der Union ihre Stimme und somit knapp zwei Prozent weniger als der SPD. Die Gründe hierfür scheinen vielschichtig zu sein und einfache Erklärungen gibt es nicht, das wurde auch in der letzten Wochen im Gasthof zum Engel in Neulingen-Göbrichen ersichtlich. Gut 60 Mitglieder aus Pforzheim und dem Enzkreis diskutierten teils emotional über den Kanzlerkandidaten, die inhaltliche Ausrichtung der CDU, den Vertrauensverlust bei wichtigen Zukunftsthemen sowie Versäumnisse auf Kreis- bis Bundesebene.

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Dr. Carsten Buchholz

Di, 05.10.2021 12:31

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Auch wenn es bei der Bundestagswahl in der Region gelang, das Direktmandat wieder mit großem Abstand zu gewinnen, so ist das Gesamtergebnis für die Unionsparteiparteien ein historisches Debakel. Gerade einmal 24,1 Prozent der Wählerinnen und Wähler schenkten bei der Bundestagswahl der Union ihre Stimme und somit knapp zwei Prozent weniger als der SPD. Die Gründe hierfür scheinen vielschichtig zu sein und einfache Erklärungen gibt es nicht, das wurde auch in der letzten Wochen im Gasthof zum Engel in Neulingen-Göbrichen ersichtlich. Gut 60 Mitglieder aus Pforzheim und dem Enzkreis diskutierten teils emotional über den Kanzlerkandidaten, die inhaltliche Ausrichtung der CDU, den Vertrauensverlust bei wichtigen Zukunftsthemen sowie Versäumnisse auf Kreis- bis Bundesebene.

 

Dr. Viola Neu von der Konrad-Adenauer-Stiftung aus Berlin hatte die gut zweieinhalbstündige Aussprache mit ihrer wissenschaftlichen Analyse der Wahl eingeleitet, ehe Kreisvorsitzender Gunther Krichbaum das Mikrophon an die anwesenden Mitglieder weiterreichte. Bewusst hielt sich Krichbaum im Hintergrund und lauschte den vornehmlich kritischen Stimmen aus den eigenen Reihen. Diese thematisierten unter anderem das Fehlen eigener Themen. Es mangele der CDU an Inhalten - die Zukunftsthemen überlasse man zumeist der Konkurrenz, so der Kanon zahlreicher Wortmeldungen. Besonders augenfällig sei dies beim Kampf gegen den Klimawandel, bei dem die Kompetenzwerte der Union in den Augen der Wählerinnen und Wähler verheerend schlecht sind. Auch Schwerpunkte, für die die CDU einst gestanden habe, habe man zuletzt immer mehr vernachlässigt, das habe man nun gemerkt. Andere rückten den Kanzlerkandidaten in den Mittelpunkt der eigenen Analyse: Das Mobilisierungsproblem in Folge der Benennung von Armin Laschet zum Spitzenkandidaten sei eine zentrale Schwierigkeit in diesem Wahlkampf gewesen, auch bei den eigenen Leuten.

Unterschiedliche Auffassungen gab es über das Erbe der Ära Merkel: Während sich unter den Redebeiträgen kritische Gedanken zur Kanzlerschaft von Angela Merkel und dem Vorwurf einer inhaltlichen Verschiebung nach links mischten, verwiesen wieder andere auf die Erfolge der Kanzlerin, vor allem in der Krisenbewältigung und ihre Führungsrolle in Europa. Auch in der Frage nach dem Gang in die Opposition schieden sich am bei der Diskussion die Geister. In Folge eines flammenden Aufrufs für die Oppositionsarbeit verwies Gunther Krichbaum auf die potenziellen Gefahren dieser Forderung. "Wer sagt denn, dass wir in vier Jahren automatisch wieder den Kanzler stellen", fragte der Kreisvorsitzende. Die Fürsprecher wiederum betonten vor allem die Chance auf eine inhaltliche Erneuerung sowie der Schärfung des eigenen Profils.

Trotz aller Kritik, die angesichts der Entwicklungen folgerichtig schien, war auch eine Stimmung des Aufbruchs und der Erneuerung unter den Anwesenden zu verspüren. Bruno Söhnle aus Wurmberg sah daher Wiederholungsbedarf: "Das sollten wir alle Vierteljahr machen!" Ein Vorschlag, dem sich auch Krichbaum offen gegenüber zeigte, um die Mitglieder in dem nun beginnenden Erneuerungsprozess stärker einzubinden. Er setzte sogleich nach: "Dann aber bitte auch wieder unter solch reger Beteiligung."

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